Allgemein, Autismus, Unser Alltag
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In einem anderen Leben.

Habt ihr Lust mit ins Eiskaffee zu kommen? Ja, sehr gerne. Das wünsche ich mir. Nein, leider können wir nicht. Das sage ich. Vielleicht in einem anderen Leben. Das denke ich. Wenn uns Freunde/Bekannte mit gesunden Kindern fragen, ob wir sie begleiten möchten, ins Kino, zu Veranstaltungen, zum Fasching, zum Campingausflug, ins Kaffee oder einfach mal zu Ikea, dann ist meine Antwort meistens Nein. In meinem Kopf sammeln sich die Gedanken und festigen sich immer wieder zu einer Aussage: Vielleicht in einem anderen Leben. (Ich stelle mir vor, wie die Reaktionen wären, wenn diese Aussage nicht nur in meinem Kopf bleiben würde, sondern laut und ganz überzeugend ausgesprochen wird: Nein, danke der Nachfrage aber heute können wir leider nicht. Vielleicht in einem anderen Leben? Wie bitte? Äh, okay…) Ich muss an dieser Stelle betonen, dass Evan und ich wirklich tolle Freude haben. Die einiges für uns in Kauf nehmen, damit wir dabei sein können. Einsame Waldspaziergänge, die entlegenste Spielplätze, die kuriosesten Schwimmuhrzeiten, geopferte Bratpfannen und Fliegenklatschen, stundenlange Staubsaugergeräusche – das sind noch die harmlosesten Opfer. Ein Dankeschön an dieser Stelle.

Mit einem behinderten Kind ein intaktes soziales Leben zu führen, ist sehr schwer. Manchmal fast unmöglich. Ist zermürbend. Kostet unendlich viel Kraft. So ergeht es mir zumindest. Ich bin ein sehr sozialer Mensch und habe gerne Menschen um mich herum. Verabrede mich gerne. Ich liebe es Neues zu entdecken und kann mich für neue und interessante Eindrücke total begeistern. Diese Eigenschaften Evan mit auf den Weg zu geben, war mein größter Wunsch. Andere Länder zu bereisen, Veranstaltungen oder Museen zu besuchen. Bei unserem ersten und bis jetzt letzten Museumsbesuch hat Evan einem Tierexponat den Schwanz abgerissen. Nachdem ich den Schwanz provisorisch wieder angebracht habe, sind wir geflüchtet. Im Flüchten sind wir spitzenmäßig. Evan und ich könnten im Handumdrehen eine Bank ausrauben. Wir würden schon wieder weg sein, bevor man überhaupt etwas vermisst. Vielleicht unser zweites Standbein? Frau mit Kleinkind getarnt als Superman und Superwomen, bewaffnet mit Klobürsten und Bratpfannen, überfallen norddeutsche Banken.

Das kann man doch keinen zumuten! Mit das meinte eine Bekannte Evans Verhalten. Ich denke immer mal wieder über diese Aussage nach. Ist Evans Verhalten eine Zumutung? Dürfen wir nicht unter Leute gehen oder an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen? Ich habe versucht mich dieser Frage ganz wertfrei zu stellen. Kann ich anderen Menschen Evans Verhalten zumuten? Evan ist laut – sehr laut- , er ist wild – grenzenlos wild, er ist impulsiv –  unbeherrscht impulsiv. Wenn wir einen Raum betreten wird es schlagartig laut und gefühlt liegen dann alle Blicke auf uns. Es ist so ähnlich wie in einem Wilden Westen Film. Der Sheriff betritt den Saloon und abrupt ruhen alle Blicke auf ihn. Die Bösewichte merken sofort, dass er nicht zu ihnen gehört. Nicht zu ihresgleichen. So ähnlich ergeht es mir und Evan, wenn wir ein Café betreten. (Das bedeutet nicht, dass Evan und ich die guten und die anderen Café Besucher die schlechten sind – ist nur ein anschauliches Beispiel.)

Inklusion. An dieses Thema denke ich, wenn ich unser soziales Leben vor Augen habe. Inklusion. Wie schön. Ein schöner Traum. Noch. Für uns zumindest. Evan und ich gehen in Behindertencafés. Besuchen Veranstaltungen von und für Behinderte. Fahren zu den entlegensten Spielplätzen. Suchen einsame Waldwege. Leider gibt es Ikea noch nicht in unserer Version. Wir wären dort definitiv Stammkunden! In Deutschland gibt es Altenheime für ältere Menschen. Psychiatrien für psychisch kranke Menschen und Behindertenheime für behinderte Menschen. Jeder scheint in Gruppen aufgeteilt zu sein und bleibt unter seinesgleichen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin für Inklusion. Ein richtiger Fan. Falls die Inklusion für das Amt des Präsidenten kandidieren würde, würden Evan und ich in der ersten Reihe sitzen und ihr/ihm zujubeln. Wir hätten riesige Schilder: Go Inklusion, Go! Evan hätte bestimmt seine Gitarre dabei und würde der Inklusion einen Wahlkampfsong widmen, der würde dann so ähnlich wie Old Mc Donald Had a Farm klingen, aber egal! Die Geste zählt doch bekanntlich. Solange Inklusion nur in der Theorie gut klingt, so ähnlich wie eine sehr gut durchdachte Wahlkampfkampagne, bleibt es leider nur eine Theorie. Inklusion fängt in den Köpfen der Menschen an. Wer von vornherein nicht ausgegrenzt wird, der muss nicht erst integriert werden.

Ich wünsche mir Veranstaltungen bei denen wir ausdrücklich erwünscht sind und Evan auf seine Art teilnehmen kann. Ich wünsche mir Kinos oder Theatervorstellungen, in denen einfach fröhlich weiter zugeschaut wird, auch wenn Evan im Gang herumtanzt oder das Theaterstück auf seiner Gitarre begleitet. Wir wünschen uns uneingeschränkt am Leben teilzunehmen. Ist das utopisch oder sogar unverschämt dieses zu verlangen? Wenn es nach der Inklusion geht, dann nicht:

„Inklusion heißt, dass Menschen mit Behinderung ihr Leben nicht mehr an vorhandene Strukturen anpassen müssen, sondern dass die Gesellschaft Strukturen schafft, die jedem Menschen – auch den Menschen mit Behinderung – ermöglichen, von Anfang an ein wertvoller Teil der Gesellschaft zu sein.“ (Quelle: Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration).

Ist Evans Verhalten eine Zumutung? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Vielleicht ist es das für manche Menschen. Aber trotzdem haben wir den Wunsch am Leben teilzunehmen. Natürlich muss auch Evan sich in der Gesellschaft an Grenzen und gewisse Regeln halten. Aber er wird sich nie gesellschaftskonform und den Erwartungen anderen entsprechend verhalten. Der Autismus ist nicht nur eine Diagnose. Es ist unser Leben. Ich kann diesen Satz nicht oft genug betonen. In einer Welt zu Recht zukommen, oder sogar zu überleben, die nicht autistengerecht ist, ist eine tägliche Anstrengung und Herausforderung. Für Evan und für mich. Wir stellen uns dieser Anstrengung. Jeden Tag aufs Neue. Wir gehen schwimmen, meistens, wenn das Bad leer ist –  aber wir gehen. Wir verabreden uns. Wir fahren in den Urlaub. Gehen ins Abenteuerland, eine Stunde vor Schließzeit. Wir gehen zu Theatervorstellungen – in der letzten Reihe damit wir schnell und unerkannt flüchten können. Nach manchen Erlebnissen denke ich, das mache ich nie wieder! Um nach ein paar Tagen festzustellen, es doch wieder ausprobieren zu wollen. Evan und ich lieben das Leben und möchten Teil dieser Gesellschaft sein. Wir möchten uns nicht zu Hause einschließen. Ich bin sehr dankbar, dass ich noch die Kraft besitze mich und Evan durch diese Erlebnisse zu tragen. Negative Erfahrungen dank meines undurchdringlichen – (meistens)- Mutterschild von Evan fernzuhalten, damit Evan lächelnd durchs Leben spazieren kann und weiter an das Gute im Leben und in den Menschen glaubt. Ich möchte, dass seine kleine unabhängige Seele in Ruhe und voller Vertrauen wachsen kann. Ich muss zugeben, dass dieses Mutterschild schon sehr gelitten hat und an einigen Stellen nur noch aus Gewohnheit hält. Aber es hält. Noch.

Auch wenn Evan in seinem Leben schon einige negative Erfahrungen, erleben musste, hat dieser wundervolle Junge die Gabe, liebevoll auf Menschen zuzugehen, sie einfach an die Hand zu nehmen und schlichtweg an das Gute in jedem Menschen zu glauben. Ganz ohne Vorbehalte. Egal welcher Abstammung, welche Behinderung oder welcher sozialen Schicht sie angehören. Ist das nicht großartig?! In solchen Momente denke ich immer, dass dieser kleine Junge mir und vielen anderen so viel voraus hat. Evan lebt Inklusion.

Ich glaube auch Inklusion hat ihre Grenzen aber trotzdem halten Evan und ich  fest an einer Welt ohne Schubladen – Kompromiss: Mini Schubladen. Wir glauben ganz fest daran irgendwann Ehrengäste in der ersten Reihe zu sein. In diesem Leben. Herzlich Willkommen, kleiner Evan! Idiotisch? Egal.

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Mein Sohn ist 5 Jahre alt und ist mit einem schweren Herzfehler, HLHS, auf die Welt gekommen. Mit 3 Jahren haben wir die Diagnose frühkindlicher Autismus erhalten. Auf diesen Seiten möchte ich etwas aus unserem Leben, seinen Therapien und unserem Alltag erzählen, der nicht immer leicht aber dafür auch nie langweilig ist. Mein Sohn und ich lieben das Leben, denn das Leben ist schön!

41 Kommentare

  1. kinder unlimited sagt

    nein, es ist nicht idiotisch! und auch nicht illusorisch! Du bist eine so wundervolle Mutter, die nicht alles rosarot sieht, sondern realistisch! Und er hat ein Recht darauf, ein glückliches Kind zu sein!
    Und dort,w o ihr keine Ehrengäste seid, ist es eh verlorene Zeit !

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  2. vor fast 30 Jahren habe ich mir genau solche Eltern, Mamas und Papas gewünscht, die für ihre Kids kämpfen, die sich wünschen, dass die Türen sich öffnen. Von Inklusion war damals noch nicht die Rede. Trotzdem haben wir gekämpft, sind mit unseren Kindern in die Öffentlichkeit, in Urlaub und haben sie niemals versteckt. Mir war oft zum Weinen und ich habe mich mehr als einmal fehl am Platz gefühlt. Ich habe gehasst und Kontakte abgebrochen.Wir haben Orte vermieten, an denen wir nicht erwünscht waren. Wir haben aber nie aufgegeben. Unsere Tochter (kein Autismus) ist inzwischen 26 Jahre, immer noch auf unsere Hilfe angewiesen ( wird auch so bleiben, so lange sie lebt) jedoch lebensfroh. Sie hat uns soviel Stärke übertragen, so daß wir gemeinsam der Fels in der Brandung sind.

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    • Liebe Ulrike! Ich kann Dich so gut verstehen. Fehl am Platz fühlen wir uns auch sehr oft. Mittlerweile übergehe ich das einfach gekonnt. Ich bin in den Jahren zu einer richtigen Kämpferin und der Schrecken der Ärzte geworden. Aber das bin ich gerne, wenn ich Evan damit ein wenig helfen kann. Euch wünsche ich alles Liebe und weiterhin einen guten Stand in der Brandung. Herzlichst, Marcella

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  3. martina troidl sagt

    hallo, ihr zwei- ihr macht das prima ! wir leben um für und mit unseren Kinder zu kämpfen ! es gibt nicht nur dumme und ignoranten Menschen, von denen man sich nach und nach entfernt, sondern auch sehr liebe und nette Menschen ! mit der Zeit, wird es besser und man wächst mit seinen aufgaben, man findet und hat wirkliche Freunde und das sogenannte komische verhalten unserer Kinder, wird durch gute Therapien – die unseren Kindern ermöglichen mit der komischen Welt da draussen besser klar zu kommen, auch ein Stück weit leichter, für uns Eltern ! wer uns nicht leiden kann, der soll es alles ! wer uns an gafft, soll gaffen, wer blöd redet soll das tun – viele sogenannte normale Menschen tun mir leid, sie können einfach nicht anders ! mein Mann und ich sagen immer zu unseren Mädels – jetzt bitte ignorieren taste gedrückt halten und wir lachen dann alle darüber ! wir haben zwei asperger – Rebecca fast 18 und ronja 8 Jahre alt !
    mach dir weniger Gedanken um die komische Welt da draussen und zieh dein ding durch, verwende deine kraft für euch und nicht für komische Menschen – mit der Zeit lebst du um Welten ruhiger und besser ! es wird – glaube mir ! Inklusion ist noch weit weg, aber täglich kommt sie ein kleines Stückchen näher !!!!

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    • Liebe Martina! Da gebe ich Dir Recht! Die Komischgucker ignorieren wir gekonnt. Mal klappt es etwas besser, mal weniger. Täglich näher finde ich gut! Liebe Grüße Marcella

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  4. Evelyn Schmidt sagt

    Super beschrieben! Für mich bedeutet Inklusion vor allem: niemanden ausschließen, sondern gemeinsam durchs Leben gehen. Dennoch bedeutet es auch, dass jeder die Rahmenbedingungen geboten bekommt, die er benötigt. Menschen, die zu viele Reize auf einmal nicht aushalten, muss ich auch eine ihnen entsprechende Umgebung gestalten, in der sie sich wohl fühlen können. Inklusion bedeutet ja nicht, dass alle das Gleiche geboten bekommen und auch machen müssen – das gilt ja für alle Menschen. Und ist genau der Hinkefuß unseres Schulsystems…
    Marcella, vergiss Dich nicht, damit Du noch lange Deinen Sohn behleiten kannst und behalte Deinen Humor, es macht Freude Deinen Blog zu lesen. 🙂

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  5. tagaus-tagein sagt

    Liebe Marcella, das kenn ich nur zu gut. Unser Schlachtruf ist: Rückzug Rückzug. Unser großer kann auch laut werden, sehr laut und wir fallen auch immer auf. Wie letztens in der Eisdiele als es „seine“ Eissorte, die er IMMER isst, nicht gab. Ein schreianfall vom Feinsten mit hinschmeißen und Wüsten Beschimpfungen kennt man sonst nur von 3jährigen im trotzalter. Wenn das ein 6jähriger macht, hagelt es blöde Kommentare. Als dann Der dreijährige Bruder noch mit einstimmte,der ja wirklich in der Trotzphase ist, haben wir flüchten und die Eisdiele verlassen. Man kann sich oft gar nicht rechtfertigen und ehrlich gesagt schäme ich mich manchmal dafür. Die Blicke und die Worte tun weh. Es wäre schön, wenn unsere Gesellschaft Inklusion klappen würde. Ich habe aber oft das Gefühl, das es nicht funktioniert und du den Leuten ansiehst, dass sie denken, der gehört weg gesperrt. Erklärungsversuche, oder zu sagen er ist Autist, scheitern oft. Bester Spruch: Der sieht gar nicht aus wie ein Autist… Was will man dazu noch sagen. Schöne Post. Liebe Grüße Kerstin

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    • Liebe Kerstin! Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kann es sehr gut nachempfinden. Mir tut es manchmal auch weh, trotz Mutterschild ;o) Liebe Grüße, Marcella

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  6. Irgendwie kenne ich das ach, natürlich ein bisschen anders als ihr. Wir schaffen es sogar ins Kino und die alten Damen die sich Heidi anschauten waren fast genau so laut wie Jolina. Aber trotzdem vermeide ich ganz viele Dinge, weil es eben auch anstrengend werden könnte und ich nicht immer die Kraft habe. Fast 7 Jahre zehren gewaltig. Bei uns wäre Inklusion eine Welt voller Zäune, damit Jolina nicht wegläuft und auf jeden Fall ohne Trampoline (was uns den Spaß eines jeden Spieleparks schon vorab verwehrt)
    Inklusion – in manchen Dingen ein Traum der ein Alptraum wäre, wenn es für jeden funktionieren würde, denn wir Menschen sind so extrem unterschiedlich, aber ab und zu so ein Inklusionsinselchen ist toll

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    • Hallo Martina! Der Zaun wäre bei Evan auch gar keine so schlechte Idee. Ich bin gespannt was noch kommt… Inklusionsinselchen gefällt mir! Danke dafür. Herzliche Grüße, Marcella

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  7. Simone sagt

    Verstecken? Nein! Ja nicht! Du musst dich weder rechtfertigen noch entschuldigen für dein Kind, das einfach lebt, ohne an gesellschaftliche Zwänge u Normen zu denken, die du bereits verinnerlicht hast. Die Leute gucken blöd, weil sie es nicht gewohnt sind, weil man Behinderung im öffentlichen Raum noch immer viel zu wenig sieht, weil sie gerne versteckt wird. Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, weil sie kaum damit konfrontiert werden. Ich wünsche dir viel Kraft und dass du dich wegen anderen Menschen, die sich gestört fühlen könnten nicht einschränken lässt!!

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  8. Mein Herz wird ganz schwer und gleichzeitig leicht, wenn ich das lese. Du hast ganz recht mir dem was du schreibst und du beschreibst es auf so eine wundervolle Weise. Ich kenne die Szuationen – auch ich kann nicht immer überall hin mit. Und es tut weh. Gleichteitig ist es schön willkommen zu sein. Und da wo man das nicht ist, da will man auch nicht hin.

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  9. Bianca sagt

    Liebe Marcella,

    die Worte haben mich sehr bewegt. Spielt Evan mit anderen autistischen Kindern?

    Liebe Grüße Bianca

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    • Liebe Bianca! Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, auf seine Weise und zu seinen Konditionen. Manchmal ist er lieber alleine und manchmal genießt er es mit anderen Kindern zusammen zu sein. Es ist ganz unterschiedlich. Liebe Grüße, Marcella

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  10. Katrin Sengers sagt

    Hallo Marcella , ich habe schon lange nicht mehr so etwas wahres, ergreifende, trauriges und schönes gelesen. Ich bin selber Mutter zweier INKLUSIONSKINDER😅ich Danke dir
    Katrin

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  11. Hallo,
    Ein wunderbarer Artikel, ich habe uns teilweise darin wiedergefunden – mein Sohn ist acht, ADS-Träumer, Verdacht auf ASS. Wir können Vieles ganz normal machen, aber können nie sicher sein ob nicht heute wieder der Tag ist an dem er sich in Rage brüllt weil irgendwas nicht nach seiner inneren Planung verläuft; oder jemanden total falsch versteht weil er nicht auf den Tonfall achtet oder oder oder…
    Familienfeiern sind für.mich so unsicher, es kann super sein, aber genauso auch darin enden dass er brüllt, und einfach keine „normalen“ Reaktionen zeigt.
    Und ich finde ihn wunderbar. Liebevoll, teilt.gerne,interessiert, sehr bemüht….
    Ich gehe mit ihm gerne einfach alleine los. Gerne dahin, wo wir jederzeit abbiegen können in einen einsamen Wald, aber wo wir dennoch mal auch unter Leuten sein können.
    Ich wünsche mir einfach, dass nicht gleich als Mangel gesehen wird was anders ist… und nicht gleich ein Erziehungsmangel, wo sich ein Kind nicht normgerecht verhält.
    Mir fällt dabei auch meine Nichte ein, die das DS hat und dadurch auffällt, dass sie sehr viel besser mit seinen Besonderheiten klarkommt als die meisten Anderen. Genauso auch ihre Eltern und älteren Geschwister.
    Ich wünschte mir das alle so wären und den Menschen so akzeptieren wie er ist, nicht wie er sein „müsste“

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  12. Pingback: Karneval oder die Entscheidung zwischen Inklusion und Exklusion | Sunnys Space

  13. Hallo Marcella,
    mich hat der hebammenblog hierher geführt, auf dem dein sehr bewegender Text verlinkt war.
    Es tut mir so leid, lesen zu müssen, wie ihr und vor allem Evan Ausgrenzung, Ablehnung und Unverständnis erfahren müsst. Für viele Mesnchen ist es schwer, mit einem Verhalten zurechtzukommen, dass vom gängigen Schema abweicht. Es gibt diese Vorstellungen, wie ein Kind zu sein hat. Dann heißt es, es sei so lieb, so brav, bekommt ein Lächeln und ein Lob für die Artigkeit. Unsere Tochter bekommt das immer wieder zu hören, denn sie ist sehr ruhig, ein echtes „“Anfängerkind“. Mich ärgert das jedes Mal so sehr und ich habe schon öfter angemerkt: „Ach, und würde sie jetzt schreien oder wild durch die Gegend rennen, dann wäre sie frech? Und das wäre für ein Kind kein erstrebenswerter Zustand, weil Kinder nun mal brav und gehorsam sein sollen? Wie wunderbar… Was ist denn dann mit den Kindern, die das so einfach nicht können? Die psychische Erkrankungen haben und deshalb mehr Energie haben, diese nicht einfach so handhaben können… Sind die dann „schlechter“?“ Der Sohn meines Cousins leidet an einer Form der Aufmerksamkeitsstörung und so oft hört man hinten rum die Kommentare, das läge nur an der falschen Erziehung, eine starke Hand wäre nötig usw. Schrecklich 😦
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft! Du machst das wunderbar und bist die beste Mama, die Evan haben kann!

    Liebe Grüße
    Martina

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    • Vielen Dank liebe Martina für Deine lieben Worte. Ich freue mich wirklich sehr darüber. Du hast Recht, dieses Bild vom guten und schlechten Kind ist wirklich in vielen Menschen manifestiert. In Deutschland sind Kinder lieb, wenn sie still und gehorsam sind. Es ist toll, dass es so wunderbare Menschen wie Dich gibt. Danke dafür! Alles Liebe, Marcella

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  14. Kristin sagt

    Jeder will Toleranz, aber wenn es drauf ankommt toleriert auf einmal fast keiner mehr.

    Aber du machst das toll. Jeder sollte in der Gesellschaft einen guten Platz haben

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  15. Liebe Marcella!
    Was für ein berührender, ehrlicher und wahrhaftiger Bericht. Es beeindruckt mich, welche Kraft und Überzeugung daraus spricht.
    Ich selbst bin Mutter eines Sohnes. Er ist nicht behindert, aber ein echt wildes und lautes Kind. Selbst ich kenne solche Gedanken und stelle mir gerade vor, wie viel Energie es Euch kosten muß.
    Ich wünsche mir für uns alle, dass die Vision von einer Gesellschaft, die inklusiv lebt, jeden Tag ein wenig mehr Realität wird… damit wir alle wir selbst sein können… mit oder ohne Handicap!
    Herzliche Grüße und die besten Wünsche für Dich und Deinen…
    Tanja

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  16. Stefanie sagt

    Von ganzem Herzen Ermutigung von mir. Habe selber einen Quirlquerkopf mit Down Syndrom und autistischen Zügen, der sich noch mit 10 schreiend auf jeden Fußboden wirft, wenn es sein muss. Es muss noch oft sein…
    Im Wort Zumutung ist das Wort MUT versteckt.

    Alles Gute für Euch:-)

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  17. Nadine sagt

    Du machst es super! Ich bin mit einer behinderten Schwester groß geworden. Sie ist einfach ganz anders und sehr laut. Dass sie Lautstärke von anderen nicht aushalten kann, verstehen viele nicht. Meine Mama hat für sie gekämpft und tut es bis heute. Die Integration in der Kita hat noch gut geklappt, in der Schule mit zunehmendem Alter überhaupt nicht. Sie wurde unglaublich viel gehänselt und ausgeschlossen. Irgendwann hat sie nur noch kurze Haare getragen, weil ihr die Mitschüler an den Haaren gezogen haben. Wir haben alle darunter gelitten. Meine Mama hat sich für sie eingesetzt, wo sie konnte.
    Meine Schwester hat sich häufig wohler unter Behinderten gefühlt. Da war sie wenigstens eine von ihnen. Meine Mama hat sie dann runter genommen von der Schule. Irgendwann sieht unser System nur noch Behindertenwerkstätten für Erwachsene mit Behinderung vor. Daran ändert sich trotz politischer Absichtserklärungen nichts.
    Bis heute wird sie überall angestarrt. Sie ist sehr groß und stämmig und laut. Einen Schutz gibt es schon lange nicht mehr. Sie hat sich daher eine Parallelwelt aufgebaut. Ihre Freunde sind ihre Kuscheltiere.

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    • Vielen Dank liebe Nadine für Deine lieben und ehrlichen Worte! Bis jetzt fühlen wir uns auch in der Parallelwelt wohler. Aber wir schauen immer öfter in der normalen Welt vorbei ;o) Herzliche Grüße, Marcella

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  18. Natascha sagt

    Liebe Marcella,
    ich komme ganz fürchterlich ins Grübeln, wenn ich das lese, wobei ich zuerst Inklusion mit Integration (in der Schule) gleichgesetzt habe, un das ist doch etwas Anderes.
    Mein (gesunder) Sohn ist Opfer eines Kindes, das autistische und psychopathische Züge hat. Opfer in dem Sinne, dass er selbst als sehr sensibler, dünnhäutiger Junge die Annäherungsversuche dieses Kindes nicht mehr ertrug. Das Kind war in seiner Klasse (in der Schweiz sind die Grundschulklassen quasi alle gezwungenermassen integrative Schulen geworden, die bisherigen Kleinklassen für Kinder mit mehr Betreuungsaufwand gibt es aus Kostengründen nicht mehr), nachdem es aus einer Privatschule geflogen war. Das Kind suchte selbst Freunde, logisch. Die Art und Weise war aber anders und mündete in massiven Quälereien, gehässigem Flüstern im Unterricht (mit halbtaubem Lehrer) und defizitären Mitschülern, die schliesslich mit zogen. Unser Sohn war so fertig, er wollte nicht mehr leben und die Schule nahm uns nicht ernst, sondern nahm das Kind noch in Schutz. Den unerzogenen Mitkameraden passierte auch nichts.
    Mit dieser Erfahrung ist meine Toleranz gegenüber dem integrativen Schulmodell auf Null, denn wenn andere Kinder psychisch Schaden nehmen, dann läuft etwas falsch.

    Bei Inklusion sehe ich das Problem in der Fremdartigkeit, in dem nicht gewohnten Verhaltensbild dieser Kinder. Ich denke mir, wenn wir angeblich Normalen die Kinder häufiger um uns haben, dann kennen wir es und gewöhnen uns daran. Das gilt allerdings aufgrund meiner Erfahrungen nicht für Bösartigkeiten und psychische sowie physische Verletzungen (auf beiden Seiten).
    Was Kino, Theater etc. angeht, da sehe ich für Standardbesuche schwarz, weil die Besucher für ihr Geld ungestört geniessen möchten – es sei denn, es wäre explizit eine Vorstellung mit dem Hinweis auf verhaltensauffällige Besucher (das was Du als Behindertenveranstaltung bezeichnest), damit man sich darauf einstellen kann. Ist ein Kind auffällig laut, drehen sich alle Köpfe. In einer Welt, die niemals leise ist und mit Baulärm, Autogehupe, Mobiltelefongedudel und so weiter ein nervtötendes Grundrauschen verursacht, da ist das eigentlich Normalste von der Welt – die lautstarken Äusserungen eines kleinen Menschen – störend und unpassend. Passt nicht zusammen, oder?!
    Liebe Grüsse
    Natascha

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    • Liebe Natascha, es tut mir sehr leid, was Deinem Sohn wiederfahren ist. Das darf und sollte kein Kind durchmachen, egal ob mit Behinderung oder ohne. Allerdings muss man genau differenzieren. Oft wird Autismus mit aggressiven Verhalten gleichgestellt und dem muss ich ganz klar widersprechen. Autismus hat nichts mit aggressivem Verhalten zu tun. Ich kenne viele autistische Kinder, die sehr liebevoll sind. Schnell wird in diesem Bereich polarisiert und das ist sehr gefährlich. Ich bin mir sicher, dass behinderte und gesunde Kinder voneinander profitieren können. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen. Das heißt, dass genügend Lehrkräfte und Sonderpädagogen vorhanden sind. Inklusion soll eine Bereicherung sein und keine Zumutung für beide Seiten. Aber ich glaube auch, dass Inklusion ihre Grenzen hat. Zumindest bis jetzt. Ich würde meinen Sohn bis dato eher in eine Tagesbildungsstätte schicken, da sie dort viel mehr Möglichkeiten haben, auf ihn einzugehen und ihn dort besser fördern und fordern können. Ich halte an einer Welt mit mini Schubladen fest. Bin mir aber auch im Klaren darüber, dass noch viel passieren muss. In der Theorie sowie in der Praxis. Es tut mir sehr leid, dass Dein Sohn so eine schlimmer Erfahrung machen musste und diese nicht ernst genommen wurde. Ich wünsche Euch vom Herzen alles erdenklich Gute! Liebe Grüße, Marcella

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      • Natascha sagt

        Liebe Marcella, danke für Deine Antwort. Keine Sorge, ich halte Autisten nicht für agressiv, besagter Sonderfall hat ja auch psychopathische Züge mit nur kleinem autistischen Anteil. Integration geht nicht bei allen und hier in CH wollen sie das aus Kostengründen nicht verstehen. Grundsätzlich bin ich sehr für mehr Toleranz, sofern sie keinem schadet.
        Alles Liebe
        Nat.

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