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Wir ziehen um! www.andersunddochnormal.de

„Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blog starten möchte oder nicht. Nachdem ich mich dafür entschieden habe, habe ich nochmal ewig gebraucht, um mir zu überlegen wie ich ihn haben möchte bzw. wie publik er sein soll. Ich habe bis jetzt überhaupt keine Erfahrungen was das Bloggen angeht. Ich bin weder auf Facebook, Instagram noch auf Twitter oder habe einen YouToube Channel. Meine erste Überlegung war, dass ich in der dritten Person schreibe oder alles passwortgeschützt anlege. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mich kurzerhand entschlossen einfach anzufangen und so offen wie möglich zu sein und gleichzeitig so privat wie möglich zu bleiben.“

Diese Zeilen sind ungefähr ein Jahr her. (Wow, unseren Blog gibt es jetzt schon seit einem Jahr). Auch wenn ich einiges aus unserem Leben preisgebe, habe ich es – bis jetzt – noch keinen Tag bereut, unsere Geschichte veröffentlicht zu haben. Aus einem anfänglich kleinem Blog sind wunderbare Möglichkeiten, einzigartige Bekanntschaften und besondere Freundschaften entstanden. Ich habe festgestellt, welche Stärke und Energie Wörter und Texte besitzen und wie Texte und Wörter es schaffen, Stärke und Energie freizusetzen. Ich habe mich frei geschrieben.

Und das war nicht immer so. Nach Evans Geburt und seiner Krankheit, habe ich mich sehr zurückgezogen und wollte mich nach Möglichkeit gar nicht, überhaupt nicht, mitteilen. Ich habe Texte geschrieben, die ich entweder nach ein paar Tagen wieder gelöscht oder sofort zerrissen habe. Warum? Gute Frage. Ich glaube ich habe mich geschämt. Geschämt aufgrund meiner Empfindungen, die nicht immer nur positiv waren. Für mich ist das Schreiben zu einem Befreiungsschlag geworden. Ich habe mich befreit. Befreit von sämtlichen gesellschaftlichen Zwängen. Befreit von dem typischen Familienbild. Befreit von Schubläden, in die wir nie wollten. Befreit von Rollen, für die wir nie vorgesprochen haben. Befreit von sämtlichen Bilderbüchern. Und heute? Schreiben wir unsere eigene Familiengeschichte.

Im Laufe des letzen Jahres sind aus den Blog-, Facebook- und Instagram-Neulingen kleine (sehr kleine) Experten mit wachsenden Ansprüchen geworden. Ich überlege sogar einen eigenen You Tube Channel zu machen. Vor einem Jahr? Wäre das schlichtweg undenkbar gewesen.

Unseren Blog lebendiger zu gestalten, war ein großes Ziel. Einen Blog zu kreieren, der zum Stöbern und Verweilen einlädt. Ich hoffe, dass ist uns ein wenig gelungen. Nach einem Jahr können wir sagen: Wir ziehen um. Wir sind umgezogen. Ihr findet uns genau hier:

www.andersunddochnormal.de

Leider konnte ich die Abonnements unseres alten Blogs nicht mit auf unseren neuen Blog nehmen. Falls Ihr unseren alten Blog abonniert habt, dann registriert Euch bitte nochmal auf  www.andersunddochnormal.de. Einfach auf der Startseite in dem Kästchen „E-Mail Adresse“, Eure E-Mail eintragen oder schickt mir persönlich eine Mail. Wir freuen uns auf Euch.

 

 

 

 

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Das muss einfach (noch)mal gesagt werden.

„Ein rotzfreches Kind. Aggressiv. Nicht erzogen. Respektlos. Einfach nur widerlich. Der ist doch nicht behindert!“

Eine Szene, Worte, aus einem Film? Nein. Leider nicht. Eine Szene aus unserem Leben. Vorgestern am See. Evan hat zwei Damen mittleren Alters mit (etwas) Sand beworfen und nass gespritzt – was ich definitiv nicht billige. Ich habe mich sofort entschuldigt und Evan mit seinen GUK Gebärden zu verstehen gegeben, dass das nicht in Ordnung war.

Eine einmalige Szene? Nein. Leider nicht. Egal ob im Supermarkt, auf der Straße, im Park, auf dem Spielplatz, in der Eisdiele, am See, bei Freunden oder Bekannten, Evan verhält sich nicht gesellschaftskonform und angepasst. Sein Verhalten wird oft mit “Frechsein“, Aggressivität und Trotzanfällen verwechselt und mit einem beiläufigen Kopfschütteln bis hin zu gemeinen und menschenverachtenden Kommentaren sowie herablassenden Blicken abgetan. Und wissen Sie was? Das tut weh. Sehr weh sogar. Nicht immer prallen diese Kommentare und Verhaltensweisen an mir ab.

An alle Mitmenschen, Freunde, Familie und Wegbegleiter: Evan hat weder immerwährende Trotzanfälle noch ist er gemein gefährlich oder verfügt über ein hochgradiges Aggressionspotenzial. Durch die vielen Reize und Besonderheiten im Alltag kann man bei ihm eher von einer Reizüberflutung sprechen, die sein Verhalten in bestimmten Situationen auslösen. Hinzu kommt die fehlende (deutliche) Kommunikation, die einige Gegebenheiten noch verschlimmern können.

Natürlich muss auch Evan sich in der Gesellschaft an Grenzen und gewisse Regeln halten. Aber er wird sich nie gesellschaftskonform und den Erwartungen anderen entsprechend verhalten. Und wissen Sie was? Das muss er auch nicht. Von einem Kind, das im Rollstuhl sitzt, würde man nie erwarten, dass es laufen soll. Dieses auszusprechen wäre grauenvoll, völlig unangemessen, schlichtweg nicht akzeptabel. Warum also wird genau das immer und immer wieder von Evan verlangt bzw. erwartet? Nur weil er gesund aussieht?

Ich wünsche mir Mitmenschen, die uns nicht sofort verurteilen und mit herablassenden und völlig unangemessenen Kommentaren behelligen. Evan ist ein Teil dieser Gesellschaft und ich erwarte (wünsche mir), dass er auch als solches behandelt wird. Inklusion auf dem Papier ist nicht genug. Inklusion fängt in den Köpfen der Menschen an. Wer von vornherein nicht ausgegrenzt wird, der muss nicht erst integriert werden.

Auch wenn Evan in seinem Leben schon einige negative Erfahrungen, erleben musste, hat dieser wundervolle Junge die Gabe, liebevoll auf Menschen zuzugehen, sie einfach an die Hand zu nehmen und schlichtweg an das Gute in jedem Menschen zu glauben. Ganz ohne Vorbehalte. Egal welcher Abstammung, welche Behinderung oder welcher sozialen Schicht sie angehören. Ist das nicht großartig?! In solchen Momente wird mir bewusst, dass dieses kleine Menschenkind mir und vielen anderen so viel voraus hat.

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Wenn ein Mensch langsam verblasst.

Menschen strahlen und scheinen in den hellsten Farben. Manche Menschen leuchten so stark und so hell, dass man der festen Überzeugung ist, dass ihre Farben nie verblassen werden. Dass sie immer so strahlend bleiben. Vor ein paar Tagen saß ich meiner Oma gegenüber und konnte meinen Blick nicht mehr von ihr abwenden. Ich besuche meine Oma regelmäßig und sehe sie dementsprechend oft aber an diesem Nachmittag war es anders.

Sie wird immer weniger – war mein Gedanke. Nicht weniger von ihrem Ausmaß sondern weniger von Ihrer Persönlichkeit. Sie verblasst. So wie ein Stück Stoff, dass vom Leben immer und immer wieder gewaschen wird und jedes Mal ein wenig mehr verblasst und an Farbe verliert.

Meine Oma wird dieses Jahr 80 und natürlich – ganz selbstverständlich – verändert man sich im Alter. Ich bin auch nicht mehr derselbe Mensch wie vor 15 Jahren (zum Glück). Ich finde Veränderungen positiv und möchte heute nicht mehr in meinen “Anfang Zwanzigern“ leben. Mit 33 Jahren habe ich das Gefühl, endlich bei mir selber angekommen zu sein. Zumindest bin ich auf einen gutem Weg. Veränderungen sind positiv. Auch das Altern ist positiv. Aber bei meiner Oma ist es anders. Die Andersartigkeit lässt sich mit einem Wort beschreiben: Demenz.

Meine Oma leidet an Demenz. Was ich vorher so oft verdrängt habe, nicht sehen wollte, ist mir an diesem Nachmittag bewusst geworden. Meine Oma verblasst. An diesem Nachmittag war ihr Blick leer. Sie schaute mich an und sah mich trotzdem nicht. Die Krankheit verändert einen Menschen. Sie macht aus einer erwachsenen Person ein kleines Kind. Wenn ich mit meiner Oma und Evan unterwegs bin, frage ich mich manchmal, wer anstrengender ist. Meine Oma oder Evan? Meistens ist es meine Oma. Beim Schreiben dieser Zeilen, tut mir das Geschriebene schon weh. Aber es ist die Wahrheit. Leider. Oftmals habe ich keine Geduld für meine Oma. Ich bin schnell genervt und fertige sie mit ein paar Worten oder einer Handbewegung ab. Nach der zehnten gleichgestellten Frage, antworte ich gar nicht mehr und meine Gedanken schweifen ab.

Verständnis. Ein Wort, das in meinem Leben eine so große Rolle spielt. Ich erwarte Verständnis für unsere Situation. Ich predige in meinen Texten, Verständnis für andere Menschen aufzubringen. Mir selber aber fällt es unheimlich schwer, Verständnis für meine Oma zu haben. Warum? Es tut weh, meine Oma beim “Älterwerden“ zuzusehen. Meine Oma dabei zu beobachten wie sie immer mehr abbaut und an Farbe verliert. Meine Oma ist die Einzige, die mir von meinen Großeltern geblieben ist. Ein Stück Kindheit. Ein Stück Jugend. Sich einzugestehen, dass sie immer wenig wird, bedeutet gleichzeitig sie Stück für Stück gehen zu lassen.

Annehmen. Veränderungen annehmen. Alter annehmen. Den Lauf des Lebens annehmen. Vielleicht geht es gar nicht immer darum wie grell und hell unsere Farben des Lebens leuchten, sondern um die Intensität der Farben. Wenn ich an meine Oma denke, denke ich an ein starkes und dunkles Rot. Ein Rot, dass über die Jahre an Deckkraft zugenommen hat. Schicht für Schicht deckender und dunkler wurde. Vielleicht ist es ganz normal, dass aus einem leuchtenden Rot über die Jahre ein gesetztes dunkles Rot wird. Eine Farbe, der man die Lebenserfahrung deutlich ansieht. Ein Stück Stoff, das zwar nicht mehr so kräftig leuchtet aber dadurch nicht an Wert verloren hat, sondern dessen Wert durch das Waschen über die Jahre zugenommen hat.

Was macht einen Menschen aus? Der Kopf und/oder der Verstand? Für mich ist es das Herz. Über die Monate habe ich gelernt, dass, wenn ich meine Oma erreichen möchte, ich die Sprache des Herzens sprechen muss und nicht so sehr die Sprache des Kopfes.

Scheiß auf Demenz! Oma, ich hab Dich lieb.

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Lass die Beine baumeln. Leg Dich mit Deinem Kind auf die Erde und betrachte den Himmel. Entspanne. Lauf barfuß durch das nasse Gras. Genieße den Wind, in den Haaren. Atme. Hab Spaß. Lach viel. Nähre Deinen Körper. Nähre Deine Seele. Klettere auf hohe Bäume und spring in tiefe Pfützen. (Julia Dibbern).

Einiges konnten wir heute erfüllen & erleben. Ich hoffe ihr auch.

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Familie zu zweit.

Familie zu zweit! Macht Euch frei von gesellschaftlichen Zwängen und lasst Euch nicht das typische Familienbild aufdrängen. Lasst Euch nicht in Schubladen stecken, in die ihr nicht wollt. Nehmt keine Rollen an, die ihr nicht spielen möchtet. Befreit Euch von sämtlichen Bilderbüchern und schreibt Eure eigenen Familiengeschichten.

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Michel @ home.

Michel ist wieder da… und Mama ist überglücklich! Dank Oma und Opa hat Evan viele große und kleine Abenteuer erlebt: Riesenrutschen bezwungen, große Wälder und Seen eingenommen. Immer mit dabei? Sein treuer Freund Ernie samt Gitarre. Ein großes Dankeschön an Oma & Opa!

Auf die Herzenswünsche.

Genieße das Leben. Hör auf Dein Herz. Entdecke kleine Wunder. Greif nach den Sternen. Folge Deinen Träumen. Glaub an Dich. Du bist fantastisch, mutig und stärker, als Du denkst.

Das Abenteuer „Wanderritt“ ist nach 3 Tagen und knapp 95 Kilometern auf den Pferden zu Ende. Es war wunderbar einzigartig. Ein Herzenswunsch ist nach Jahren in Erfüllung gegangen. Vor ein paar Jahren hätte ich mir so einen Wanderritt nicht zugetraut und gestern bin ich im Jagdgalopp die Abhänge runter und wieder rauf galoppiert und habe dabei gelacht und geweint. Vor Glück. Auf das Leben. Auf die Herzenswünsche.

Evan

Michel geht auf Reisen.

… und das ohne Mama! Aber dafür mit Oma und Opa. Und Mama? Die erfüllt sich einen langersehnten (Kinder & Jugend) Traum: Einen mehrtägigen Wanderritt in Süddeutschland! Hurra! Ich werde berichten.

Eine kleine Reise ist genug, um uns die Welt zu erneuern (Marcel Proust).

In diesem Sinne: Auf kleine Reisen und große Eindrücke. Für Michel und Mama.